Einen Stern

„Einen Stern, der deinen Namen trägt … schenk ich dir heut Nacht“. Nicht lachen, das gibt es tatsächlich. In der Tat sind kommerzielle Anbieter auf dem Markt, die Sterne gegen einen gewissen Geldbetrag benennen. In ihrer Diktion verkaufen sie den Stern sogar und tragen den Wunschnamen in ein Register ein. Diese Eintragungen weisen jedoch keine offizielle oder wissenschaftliche Bedeutung auf und stehen nur in einer firmeneigenen Liste und in einem dem Käufer ausgehändigten Zertifikat. Diese Zertifikate sind meist gut gemacht und attraktiv und scheinen als Geburtstagsgeschenkt gut geeignet zu sein. Ich kann also einer mir lieben Person solch ein Zertifikat schenken, das einem bestimmten plötzlich den Namen „Mausi 69“ oder „Schmusebär-Alpha“ oder auch ganz simpel „Lieschen Müller“ gibt. Da verschiedene Anbieter auf dem Markt sind, kann es vorkommen, dass ein und der selben Stern verschiedene Namen verpasst werden. Sicherlich mag das Schenken eines solchen Zertifikats bei der beschenkten Person emotionale Glücksgefühle auslöst, aber spätestens wenn es ans Licht kommt, wie die Sache eigentlich läuft, schlagen diese in Enttäuschung, wenn nicht gar Wut um. Der Schenkende wird sich dann meist ob seiner Dummheit oder Ahnungslosigkeit schämen.

Der Vorgang der Sterntaufe läuft wie folgt ab: Es gibt in den internationalen Sternkarten ungezählte Sterne, die noch keinen Namen tragen und nur mit einer Katalognummer versehen sind. Der Käufer sucht sich einen noch unbenannten Stern aus und gibt seinen Wunschnamen an. Dieser wird in die firmeneigene Liste eingetragen, worauf hin ein Zertifikat generiert wird. Dieses enthält den Taufnamen und einen wissenschaftlich fundiert anmutenden Text sowie je nach Anbieter eine Detailkarte, ein Bild des Sterns oder ein Beiblatt mit den astronomischen Koordinaten. Diese Dienstleistungen werden oftmals mit einem Eintrag in ein fiktives internationales Register angeboten. Die Preismodelle sind ganz unterschiedlich. So staffeln sich die Preise oft nach der Helligkeit des Sterns. Ob es ein Hauptstern ist, ob er mit bloßem Auge sichtbar ist oder mit einem einfachen Fernglas, mit einem starken Fernglas oder gar mit einem Teleskop, sind Kriterien die bei der Preisgestaltung herangezogen werden.

Ein Jeder mag sich nun überlegen, ob ein Stern das passende Geburtstagsgeschenk ist und ob er länger Freude bereitet als ein paar Socken.

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